Stadtnachrichten-Beitrag aus April 2009
Nachveröffentlichung: 23. April 2026
Aktualisierung und Neubebilderung: Ulrike Mengeu
1639 erhielt Wolf Dietrich (II.), Sohn und Erbe von Hans Rudolf von Raitenau (Pfandherr von Gmünd von 1601–1633), die kaiserliche Genehmigung, die Herrschaft Gmünd an die Grafen von Lodron zu verkaufen. Da Wolf Dietrich (II.) kurz darauf verstarb, vollzog seine Mutter, Gräfin Maria Sidonia von Raitenau, als Testamentsvollstreckerin den Verkauf. Mit den beiden unmündigen Enkelkindern, für die sie gemeinsam mit Fürsterzbischof Paris Lodron die Vormundschaft übernommen hatte, übersiedelte sie ins Schloss Mirabell nach Salzburg.
Die Familie Lodron stammt aus dem italienisch besiedelten Teil der «gefürsteten Grafschaft Tirol», jener Landschaft des «Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation», die durch Jahrhunderte den Schnittpunkt der romanischen mit der germanischen Welt darstellte. Das Stammschloss dieser alten Adelsfamilie stand in Lodrone bei Storo in der Nähe des Gardasees. Die beiden Lodron‘schen Brüder Georg und Peter wurden in der Mitte des 15. Jahrhunderts in den Reichsgrafenstand erhoben. Sie sollen den Habsburger Friedrich III. auf seinem Weg zur Kaiserkrönung nach Rom begleitet haben. Unter Friedrich III. kam Gmünd in kaiserlichen Besitz (1488) – nach der siebenjährigen Besetzung durch die Ungarn.

Der bedeutendste Spross der Familie war Graf Paris Lodron. Als Sohn des Grafen Nikolaus wurde er am 9. Februar 1595 in Castelnuovo geboren. Seine Mutter Dorothea, eine geborene von Welsperg, war die ältere Schwester von Maria Sidonia, der Gattin des ehemaligen Gmünder Pfandherren Hans Rudolf von Raitenau. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend hätte Paris als Erstgeborener den ansehnlichen Besitz der Familie in «Welschtirol» übernehmen sollen. Paris entschloss sich aber, den geistlichen Beruf zu ergreifen. Seine Ausbildung erhielt er in Trient und Ingolstadt. 1606, schon mit zwanzig Jahren, gelang ihm der «Sprung nach oben»: Er wurde Mitglied des Salzburger Domkapitels und wegen seines großen diplomatischen Geschicks gehörte er mehreren Delegationen der Salzburger Erzbischöfe Wolf Dietrich und Markus Sittikus an.
Am 13. November 1619 wurde Paris Lodron von den vierzehn Mitgliedern des Domkapitels, das aufgrund eines päpstlichen Privilegs den jeweiligen Bischof selbst bestimmen konnte, bereits im ersten Wahlgang zum 59. Nachfolger des Heiligen Rupert gewählt. Als Erzbischof war er gleichzeitig Landesherr des einzigen geistlichen Fürstentums in den Ostalpen. Die Regierung von Fürsterzbischof Paris Lodron dauerte beinahe 34 Jahre und fiel in die Zeit einer der größten europäischen Tragödien, dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648). Auch Stadt und Land Salzburg kamen mehrmals in eine kritische Situation und Fürsterzbischof Paris reagierte auf diese Bedrohung durch den Bau von Befestigungsanlagen. Durch seine sehr geschickte Politik blieb das Erzbistum von allen Kriegshandlungen verschont.
Er leistete auch auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet Bedeutendes und sein Wirken für Kunst und Kultur ist besonders hervorzuheben (Fertigstellung und Einweihung des Domes, Gründung der Salzburger Universität1). Er war einer der herausragenden Fürsten der Barockzeit. Salzburg erlebte mit ihm eine der bedeutendsten Epochen seiner Geschichte – schon zu Lebzeiten nannte man ihn «Vater des Vaterlandes». Fast zweihundert Jahre später erhielt er eine weitere, besondere Ehrung: Als eine der wenigen Marmorbüsten geistlicher Würdenträger wurde diejenige von Fürsterzbischof Paris von Lodron ebenfalls in die Ehrenhalle der berühmten Deutschen aufgenommen: in der Walhalla bei Regensburg.
1631 stiftete er für seinen Bruder Christof und dessen Nachkommen das Gräflich Lodron‘sche Fideikommiss. Solche Stiftungen waren zur Sicherung des adeligen Grundbesitzes allgemein üblich. In der Regel erhielt der erstgeborene Sohn den Familienbesitz «zu treuen Händen», er durfte nicht veräußert werden. Die ««Agnaten», die männlichen Blutsverwandten, erhielten zeitlebens vertraglich festgesetzte Zuwendungen. In der Stadt Salzburg widmete Fürsterzbischof Paris dem Lodron‘schen Fideikommiss ein größeres Areal im rechts der Salzach gelegenen Stadtteil. Seit 1639 umfasste die Herrschaft Gmünd auch die adeligen Sitze Dornbach, Kronegg und Rauchenkatsch. Die folgenden Fotos der Zeichnungen von den dazugehörigen Herrschaftssitzen stammen sämtlich aus der Hand des Kärntner Künstlers Markus Pernhart (1824–1871).


Schloss Kronegg in Malta.

Der erste Majoratsherr, Christoph Graf Lodron, war wegen einer «schweren Leibsindisposition» – es handelte sich um eine zeitweise Geistesumnachtung – nicht in der Lage, die Verwaltung zu übernehmen. Seine Frau Catharina, geborene Gräfin von Spaur, übernahm die Administration und führte von Anfang an mit sicherer Hand die Verwaltung. 1645 kaufte sie den Pflüglhof mit den dazugehörigen Grundstücken und Almen. Einige Jahre später erwarb sie von Martin Widmann, dem Grafen von Ortenburg, Schloss und Herrschaft Sommeregg. Von ihm kaufte sie auch das Eisenbergwerk in der Innerkrems samt den Anlagen zur Gewinnung des Roheisens in Eisentratten und Kremsbrücke. Das Lodron’sche Fideikommiss wuchs damit auf circa 18.000 ha Grundbesitz.


Der zweite Majoratsherr Franz Niclas Graf Lodron (1662–1695) hatte die schwache Gesundheit seines Vaters geerbt. In seine Zeit fiel das heftige Erdbeben vom 4. Dezember 1690 (Barbaratag), das in ganz Kärnten – besonders aber in unserer engeren Heimat – schwerste Schäden verursachte. Zur Erinnerung daran gibt es heute noch am ersten Sonntag im Dezember eine Prozession zur Erdbebensäule. Graf Franz Niclas pflegte offenbar eine besondere Vorliebe für Pferde. In Dornbach errichtete er ein Gestüt und in Gmünd entstand die «Lodron’sche Reitschule» mit einem Reitplatz davor. Aus dem Todesjahr von Graf Franz Niclas ist eine Aufstellung von 35 Gewerbebetrieben erhalten. Neben 4 Bierbrauereien und 10 Wirtshäusern überliefern sich dadurch 8 Bäcker, 3 Metzger, 7 Schuster, 4 Schneider, 6 Lederer, 6 Schmiede. Auch seltene Berufe waren vertreten: Schirmmacher, Riemer, Kürschner und Färber.



Durch die kinderlose Ehe des Grafen Franz Niclas fiel die Nachfolge an seinen jüngeren Bruder Paris Graf Lodron. Dieser hielt sich aber die meiste Zeit in Wien auf, er war den Gmündern deshalb ziemlich fremd. Aus seiner Zeit muss erwähnt werden, dass ab dem Jahre 1699 alle Mitglieder der Familie den Doppelnamen Lodron-Laterano führen. Nach dem Tode des ebenfalls kinderlosen Graf Paris kam es zu Familienstreitigkeiten über die Nachfolge. Für einige Jahre musste sogar ein Zwangsverwalter, ein sogenannter «Sequester», eingesetzt werden. Nach langen und schwierigen Verhandlungen einigte man sich schließlich auf Graf Ferdinand Philipp, laut dem Gmünder Chronisten Broll ein «gütiger» Majoratsherr, der jedoch schon nach zweijähriger Tätigkeit verstarb. Ihm folgte Carl Wenzel Graf Lodron (1709–1735), der nach den drei kinderlosen Vorgängern wieder eine Familie mit sechs Kindern hatte. Von seiner Majoratszeit ist wenig bekannt. Von seiner Frau Maria Antonia weiß man, dass sie nach dem Tod ihres Mannes die von der Familie von Raitenau errichteten Kreuzwegstationen auf dem Kalvarienberg erneuern ließ.
Als 6. Majoratsherr folgte Ernst Maria Graf Lodron-Laterano (1735–1759), der durch die Belehnung mit dem Adelssitz Leobenegg das Fideikommissgut erweitern konnte. Er war in zweiter Ehe mit der kunstliebenden Gräfin Antonia aus der Salzburger Grafenfamilie von Arco verheiratet. Sie verbrachten viele Monate im Jahr in ihrem Salzburger Stadtpalais (ehemaliger «Primogeniturpalast», heute das Mozarteum), wenige Schritte vom Wohnhaus der Familie Wolfgang Amadeus Mozarts entfernt. Die Lodron‘sche Familie stand häufig im Mittelpunkt der adeligen Gesellschaft, gemeinsam mit Mozart wurde viel musiziert. 1776 widmete der weltberühmte Komponist seiner Gönnerin Antonia die «Lodron‘sche Nachtmusik».

Mit der Stadtverwaltung von Gmünd hatte Graf Ernst Maria kein gutes Verhältnis, weil die Bürger der Stadt angeblich die «herrschaftlichen Rechte» missachteten, so Dechant Broll. Die vom Chronisten Broll als «Eifersüchteleien» bezeichneten Auseinandersetzungen gingen so weit, dass der Graf den Gmünder Bürgern das für den Handelsverkehr besonders wichtige Niederlagsrecht aberkannte. Die Bürger verloren sogar ihre althergebrachten Rechte und wurden den übrigen Untertanen der Herrschaft gleichgestellt.
In die Zeit des Grafen Ernst Maria fällt auch der unrühmliche Prozess gegen Eva Faschaunerin, die Hörlbäuerin von Malta. Diese war beschuldigt worden, ihren Mann mit «Hittrach» (Arsenik) vergiftet zu haben. Daraufhin wurde sie im «Loch», dem herrschaftlichen Stadtarrest, drei Jahre lang (genau 1299 Tage) unter heute kaum vorstellbaren Bedingungen festgehalten und aufgrund des Urteils von Bannrichter Benedikt Alfons Emperger am 9. November 1773 auf dem Gmünder Galgenbichl enthauptet.

Graf Ernst Maria starb 1779 mit 53 Jahren. Er hinterließ sieben unmündige Kinder, darunter auch seinen Nachfolger Hieronymus Maria Graf Lodron (1779–1823). In die Zeit dieses Majoratsherrn fielen der zweite große Stadtbrand (1792), die Duldung der Protestanten durch das Toleranzpatent (1781) und die Franzosenzeit (1797–1815). Am 12. Februar 1792 war im Schaiderhaus in der Kirchgasse beim Krapfenbacken «eine Feuersbrunst ausgekommen». Wegen der Holzdächer und dem starken Maltinger Wind «war in einer Stund die ganze Stadt angezündt». Auch das Lodron‘sche Schloss erlitt schwere Schäden – praktisch war nur mehr das Erdgeschoss mit seiner Gewölbedecke benützbar. Eine Woche lang mussten dreihundert Personen den Schutt wegräumen und auf Pferdefuhrwerke verladen. Der Wiederaufbau des Schlosses bereitete dem Grafen große Sorgen, weil die Agnaten nicht bereit waren, wenigstens auf einen Teil ihrer Apanagen (jährliche Unterhaltszahlungen) zu verzichten.
Nach fast zweihundert Jahren Gegenreformation und Geheimprotestantismus erließ Kaiser Josef II. 1781 das Toleranzpatent, das den Evangelischen die freie Religionsausübung sowie den Bau von Bet- und Schulhäusern erlaubte. Zu den 14 Toleranzgemeinden, die kurz danach in Kärnten entstanden, gehörten auch die «Gmündtaler» Pfarren Trebesing, Eisentratten und Dornbach. Die Pfarrgemeinde Dornbach erhielt 1787 auf Betreiben und mit «warmer Unterstützung» von Graf Hieronymus Lodron ein Bethaus, in das er sich eine eigene Zuhörernische einbauen ließ. Mit großer finanzieller Beihilfe des Grafen konnte drei Jahre später das Pastoratshaus, in dem sich auch die Schule befand, eingeweiht werden. Mit den Zinsen eines Stiftungskapitales von 8.000 Gulden übernahm der Graf auch lange den Großteil der Personalkosten für den Pfarrer und Lehrer.


Die Tätigkeit als Patronatsherr einer evangelischen Kirche war für den katholischen Grund- und Gerichtsherrn nicht unproblematisch. Der Fürstbischof von Gurk, Kardinal Franz Xaver Altgraf Salm Reiffenscheidt (1749–1822) weilte fünf volle Tage in Gmünd, um Hieronymus von seinen «akatholischen Neigungen» und von seinen «häufigen Tempelbesuchen» abzubringen. Dem Besuch des Bischofs folgte ein heftig geführter Briefwechsel. Erst als der Graf den Revers unterschrieb, «im Herzogthum Kärnten in kein Bethaus mehr zu tretten», wurde Hieronymus vom Bischof und vom Landeshauptmann «losgesprochen».
Die französische Revolution und die Ära Napoleons bewirkten in den Jahrzehnten vor und nach dem Jahre 1800 in ganz Europa große Veränderungen. Bis zur Völkerschlacht bei Leipzig (1813) war Napoleon unumschränkter Herrscher Europas. Zwischen 1797 und 1801 war auch unsere engere Heimat von französischen Truppen besetzt. Die Stadtbevölkerung bedankte sich bei Graf Hieronymus für sein diplomatisches Geschick im Umgang mit der Besatzung.
Im Schicksalsjahr 1809 – vor genau zweihundert Jahren – organisierte der Kärntner Freiheitskämpfer Johann Baptist Türk im Einvernehmen mit Andreas Hofer und Pater Joachim Haspinger zur Befreiung der von den Franzosen besetzten Feste Sachsenburg in ganz Oberkärnten den Landsturm. In der Herrschaft Gmünd war Graf Hieronymus Major der Landwehr, unter seinem Befehl exerzierte man im 2. Stock des Schlosses. Im Oktober 1809 konnten unter dem Kommando Pater Haspingers Tiroler und Liesertaler gemeinsam am Fratres bei Spittal die Franzosen am Weitermarsch hindern. Kurze Zeit danach kam aber durch den Frieden von Schönbrunn ganz Oberkärnten zu den französischen «Illyrischen Provinzen» mit der Hauptstadt Laibach. Der «Kanton Gmünd» war Verwaltungsmittelpunkt des Lieser- und Maltatales und des Gebietes um den Millstätter See einschließlich von Radenthein. Graf Hieronymus kümmerte sich trotz arger eigener Schwierigkeiten unermüdlich um den Wiederaufbau der Stadt. Ein besonderes Anliegen war es ihm, nach der Franzosenzeit wieder eine geordnete Verwaltung einzurichten.
Für Graf Hieronymus und seine Gattin Maria Cäcilia gab es in dieser schweren Zeit persönlich eine große Freude. Nach vier Töchtern kam 1806 Konstantin Graf Lodron-Laterano, der Sohn und Nachfolger, zur Welt. Nach 20 Jahren wurde er der 8. Majoratsherr des Gräflich Lodron‘schen Fideikommisses (1825–1880).2 Zu Beginn seiner Tätigkeit begann der junge Graf mit der Modernisierung der Verarbeitungsbetriebe für das in der Innerkrems abgebaute Eisenerz. 1831 ließ er am Kreuzbichl in Gmünd das Blechwalzwerk «Aloisienhütte» errichten und 1860 in Eisentratten einen neuen zeitgemäßen Holzkohle-Hochofen erbauen. Wegen des enormen Konkurrenzdrucks und der ungünstigen Verkehrslage unseres Gebietes konnte aber trotz aller Bemühungen der Abbau des Erzes und dessen Verarbeitung nicht mehr kostendeckend gestaltet werden. Nach 1880 erfolgte die Schließung aller Betriebe durch seinen Nachfolger Graf Theodor.


Graf Konstantin und seine kunstsinnige Frau förderten unseren Liesertaler Bildhauer Hans Gasser (1817–1868) und auch das Gmünder Kultur- und Vereinsleben war beiden ein besonderes Anliegen. Im zweiten Stockwerk des Schlosses ließ der Graf einen etwa zweihundert Personen fassenden Theatersaal errichten. Hier wurden zahlreiche Bühnenstücke und das Gmünder Hirtenspiel aufgeführt. In diesen Jahrzehnten entstanden in Gmünd mehrere Vereine. 1834 gründete Konstantins Katasterbeamter Ignaz Hödl den Männergesangsverein. Beim Schützenverein, der 1856 seine Tätigkeit aufnahm, war der Graf dessen erster Oberschützenmeister. Einige Musikgruppen legten damals auch den Grundstein für unsere sehr erfolgreiche Stadtkapelle. 1879 gründete Notar Josef Fresacher den «Gmünder Gebirgsverein», der durch zahlreiche Veröffentlichungen unsere Heimat weiten Kreisen bekannt machte. Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr im Jahre 1869 muss besonders hervorgehoben werden. 1869 begann man auch mit dem Bau der neuen, raummäßig gut ausgestatteten Volksschule an der Katschbergstraße.

Das Revolutionsjahr 1848 brachte auch bei uns einschneidende Veränderungen. Am 22. Juli dieses Jahres hatte der Reichstag in Wien auf Antrag von Hans Kudlich die Bauernbefreiung beschlossen. Die Grundherrschaften wurden aufgehoben und an deren Stelle kamen die Gemeinden, Bezirkshaupmannschaften und Gerichte. Alle Änderungen betrafen auch das Gräflich Lodron‘sche Fideikommiss. An Graf Konstantin erinnern heute noch die von Salzburg nach Gmünd gebrachten Barocklöwen am Eingang des Parkes und die Gräflich Lodron‘sche Gruft am Kalvarienberg. Auf ihn folgten die Majoratsherren Carl Theodor (1880–1898), Carl Cajetan (1898–1918) und Paris (1918–1925).
1902 ließ das Gräflich Lodron‘sche Fideikommiss im Gelände des ehemaligen Blechwalzwerkes am Kreuzbichl das erste Elektrizitätswerk für die Stadt Gmünd errichten. Es lieferte bis 1927 – bis zum Anschluss an das Murfallwerk – den Strom für die Beleuchtung der Straßen und Häuser unserer Stadt. Der in den Jahren 1911/12 durchgeführte Bau der Wasserleitung und Kanalisation wurde von der Fideikommissverwaltung natürlich auch entsprechend gefördert.


die damaligen Kanalarbeiten am Hauptplatz.
Die katastrophale Wirtschaftslage in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts, die sich im besonderen Maße auch auf die Forstwirtschaft auswirkte, die enormen Kosten für die Gebäudeerhaltung, die finanziellen Verpflichtungen für die Agnaten sowie das mangelnde Interesse des seit 1925 tätigen MajoratsherrnUrban führten 1932 – nach fast 300-jährigem Bestand – zur Auflösung des einst «Gräflich Lodron‘schen Fideikommisses». Im Zuge dieser Umwandlung der Fideikommissgüter in Privateigentum wurden große Teile der Fideikommissgüter verkauft. Sämtliche Erlöse daraus dienten vorerst der Schuldenablöse. Karl Irsa, den Urban bei der Übernahme seines Majorates bereits als generalbevollmächtigten Verwalter eingesetzt hatte, wurden wesentliche Teile der Besitzungen zum Ankaufe angeboten.3 In andere Hände kamen durch Verkauf oder Verpflichtungen die Burg Sommeregg, die Besitzungen im Radl- und Gamschitzgraben, in der Innerkrems und in der Pölla sowie das Ronach im Drehtalgraben.


Eine Bemerkung zum Schluss:
Die Gattin des Majoratsherrn Urban, Auguste Lodron-Laterano, geb. Helmschmied (1888–1974), war keine Adelige. Da die Nachkommen einer «morganatischen» (nicht standesgemäßen) Ehe nach dem Fideikommissgesetz nicht erbberechtigt waren, hätte sein Sohn, der spätere Dipl. Kfm. Dr. Ernst Lodron-Laterano, auch nicht Majoratsherr in Gmünd werden können.

- „Die Buchstaben P.A.S.F. auf dem Zepter der Universität (1650) bedeuten «Paris Archiepiscopus Salisburgensis Fundator». Fundator heisst Gründer oder Stifter. Die Ausklammerung der Benediktiner-Konföderation und des Vorgängers Markus Sittikus als Gründergremium entspricht damit nicht dem beliebten Geschichtsbild, das dem Machthaber zum Zeitpunkt des offiziellen Aktes (Grundsteinlegung, Vertrag, Eröffnung) auch das Werk zuspricht. Tatsächlich müsste Markus Sittikus als Begründer des Gymnasiums und der Universität bezeichnet werden. Alle Voraussetzungen zu ihrer Anerkennung sind schon 1618 vorhanden.“ (Siehe unter Fußnote 24 unter sueddeutscher-barock.ch) ↩︎
- Im Dezember 2026 erscheint ein Artikel zu den damaligen Abläufen rund um den Konkurs des Grafen Hieronymus (1816 im Herzogtum Kärnten, 1818 im Herzogtum Salzburg) in der Carinthia I des Kärntner Geschichtsvereins mit neuesten Erkenntnissen. ↩︎
- Was dieser – gemäß einem von ihm persönlich verfassten offenen Brief aus 1932 – nach reiflicher Überlegung schließlich annahm. ↩︎