Die Große Gieß – das Hochwasser von 1903
von Anton Fritz und Herbert Wagner (✝ 2009)
Stadtnachrichten-Beitrag aus April 2003
Nachveröffentlichung: 26. April 2026
Ergänzungen und Neubebilderung: Ulrike Mengeu
Das Hochwasser vom 13./14. September 1903 war seit Menschengedenken sicher die größte Naturkatastrophe, die Gmünd und unsere engere Heimat – bis hinein in das damals noch zu Kärnten gehörende Kanaltal – betroffen hat. Die vier Wochen zuvor hielt sich bis zum «Kleinen Frauentag» (8. September) hindurch sehr schönes, trockenes Wetter. In den nächsten Tagen kam es aber zu einem Wettersturz mit starken Regenfällen in den Tälern und massenhaftem Schneefall im Hochgebirge bis tief unter die Waldgrenze. Die erwartete Aufheiterung durch den Nordwind trat leider nicht ein. Im Gegenteil! Unter stets heftiger werdenden Regengüssen begann auf den Höhen ein warmer Südwind zu wehen, der in der Nacht vom 13. auf den 14. September, einem Sonntag, den Neuschnee durch den nun einsetzenden Regen in wenigen Stunden hinwegschmolz, so Oberlehrer Klocker in der Schulchronik. Es regnete fast ununterbrochen und schwere Gewitter folgten einander mit unheimlicher Schnelligkeit. Die Tragik dieser Wetterkapriolen gipfelte in bergsturzartigen Muren vor der Klause ins untere Maltatal – hinter dem sogenannten „Blauen Tumpf“.
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Noch ein paar Wortklaubereien: Zwischen Krainberg und Drehtalgraben
von Ulrike Mengeú
Diesmal starten wir bei der Gemeindegrenze im Osten der Grünleiten-Siedlung und wandern über den Talboden Richtung Krainberg und dann weiter hinauf. Linker Hand lässt man den Turnerhof liegen. Das mittelhochdeutsche turner/türner weist auf einen Glockenturm. Diese Besonderheit bei bestimmten Bauernhäusern befand sich auf dem Dach. Eine derartige Hausglocke rief alle zum Essen oder markierte den Feierabend. Läutete sie außerplanmäßig, konnte es auch ein Hilferuf sein, z. B. bei einem Brand. Beim weiteren Hinaufspuren durch die Bäume liegen rechter Hand die äußeren Höfe des Treffenbodens. In den älteren Regionalkarten taucht meist der nördlichste Hof Otzer auf. Das gesprochene Etzer/Ötzer verweist auf etz als eine umzäunte Weide, das Vieh ließ man atzen = abweiden, also vermutlich ein Hofname nach dem Weideplatz.
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Eine Grenze, ein locus und eine gruone Leiten
von Ulrike Mengeú
Die vorletzte Folge aus der Artikelreihe über Flurnamen richtet den Blick weiterhin auf den nördlichen Teil der Stadtgemeinde Gmünd, jenseits der Lieser. Westlich der Malta nimmt die Gemeindefläche einen Streifen vom Hattenberg mit bis vor die Ortschaft Saps. Dort legt sich die Grenze in die Malta und mäandert flussaufwärts bis vor den Ortseingang von Fischertratten. Noch vor der ersten Brücke steigt sie aus dem Wasser, spaziert über die Wiese Richtung Landesstraße und biegt dort rechts ab. In Richtung Süden fährt sie wieder bis vor die Siedlung Grünleiten zurück, umschließt diese wie das Dach eines Hauses und klettert anschließend im Zickzack den Krainberg hinauf. In der Folge wandert sie entlang der Kuppe der Ecken weiter hinauf.
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Vom Hueb’nbauer über’n Månås auf’n Forchenbichl
von Ulrike Mengeú
Das Stubeck erstreckt sich mit seinem südlichen Ausläufer Ecken (1848 m) zwischen Lieser und Malta. Gemäß der Kärntner Namenforschung steht der Bergname Eck/Egg für eine Berg- oder Hügelkante. Gehäuft findet man ihn für einen Bergausläufer, der sich zwischen zwei Flüsse hineinzieht. Seine am weitesten im Süden liegende Anhöhe erscheint auf der Online-Karte bei Bergfex als Fahrenbühel (1183 m). Bühel findet sich im Mittelhochdeutschen als Bezeichnung für eine Anhöhe oder einen Hügel und geht zurück auf althochdeutsch puhil. Das ältere Kartenwerk zeigt andere Varianten: vom Farchenbichl über den Ferchbichl bis zum Forchariegel findet man ihn auch als Fahrenbichl oder Fährenbüchel. Diese Vielfalt zeigt, wie lebendig und formbar die Flurnamen sind. Mit großer Sicherheit bezieht sich dieser Name auf Föhren (Fohrenbaum bis mundartlich Forchen). Er könnte aber auch in einer ehemaligen Waldweide für die Schweinemast gründen, mittelhochdeutsch Varch = Ferkel. Eine sichere Abklärung wird erst über Recherchen in älteren Aufzeichnungen möglich sein. Etliche Flurnamen lassen sich nicht einfach wie eine Vokabel übersetzen. Vieles bleibt mehrdeutig und unklar. Die folgenden kurzen Hintergründe hierzu ergänzen die beiden Möglichkeiten.
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Ein Vaterberg im Maltatal: Bartelmann und Hattenberg
von Ulrike Mengeú
Der Name Bartelmann (2413 m) für die zentrale dreispitzige Gipfelgruppe des Bergmassivs im unteren Maltatal lässt sich mit Bartel auf eine Kurzform von Berthold oder auch Bartholomäus zurückführen. Die Namenforschung erklärt beides über das althochdeutsche beraht, mit der Bedeutung hell, glänzend. Bei der Christianisierung beruft man sich bei Bartholomäus jedoch auf den Apostel aus dem 1. Jhdt. n. Chr., der als Märtyrer stirbt. In der aramäischen Ursprungssprache übersetzt sich dieser Name als Sohn des Tolmai, also ein vollkommen anderer Bezugsrahmen. Der in Kärnten und der Steiermark bekannte Bartel, der als dämonisches Wesen den Nikolaus begleitet und heute zu den modernen Perchtenläufen gestellt wird, hat eine davon abweichende Geschichte. Sprachgeschichtlich kann man Bartel als Nebenform zu Perchtl zwar mit der Percht der rauen Nächte in Verbindung bringen. Neuere Forschungsarbeiten zeigen jedoch, dass diese modernen Bräuche keine historisch belegbaren Verbindungen zu vorchristlichen Kulthandlungen besitzen und sich so auch nicht in Flurnamen finden.
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Pongratzen: Kirche, Stadttor und Legende
von Ulrike Mengeú
Pankratius zählt zu den vierzehn Nothelfern und gehört zu den Eisheiligen. In Altbayern verbreitete sich die Pankratiusverehrung bereits in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts über den Missionar Bonifatius. Der Enkel Karls des Großen, der spätere Kaiser Arnulf von Kärnten, vermehrte die Pankratius-Verehrung in seinem Reich. Der Papst rief ihn um Hilfe, um die Stadt aus unerwünschten Händen zu befreien. Arnulf kam diesem Ruf nach und siegte 896 n. Chr. Seiner Überzeugung nach gelang ihm dieser militärische Erfolg nur mit Hilfe des Hl. Pankratius, denn am Vorabend dieser Aktion richtete sich sein Gebet an ihn. Mit den Siegesfeiern verband sich die Krönung zum römisch-deutschen Kaiser. Arnulf brachte Pankratius-Reliquien aus Rom. Seither diente dieser Heilige im gesamten Reich als Patron von Ritter und Adel.
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Über Anger, Auen und Tratten und verschwundene Wehre
von Ulrike Mengeú
Rund um die Stadtmauern von Gmünd tauchen die Begriffe Anger, Au oder Tratte mit unterschiedlichen Kombinationen auf. Namen wie Moosanger, Karnerau oder Riesertratte hören sich selbstverständlich an. Oberflächlich betrachtet sind es bekannte Wörter, sie klingen deutsch. Verstehen wir aber auch, was sie bedeuten? Über die mündliche Überlieferung dieser Flurnamen bewahren sie vor allem Informationen über die alte Kulturlandschaft in der Umgebung Gmünds.
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Christophorus-Wandbilder in und um Gmünd
von Margarethe Miklautz
Stadtnachrichten Gmünd: Dezember 2012
Der heilige Riese und seine ursprüngliche Bedeutung
Kärnten ist unter den Alpenländern das an mittelalterlichen Christophorus-Darstellungen reichste Land. Auf Kärntner Boden treffen wir auf über zweihundert, zumindest noch in Fragmenten erhaltene Christophorus-Wandbilder. Diese hohe Zahl ist wohl nicht zuletzt auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Mehrzahl der Kärntner Kirchen, im Gegensatz zu den nördlichen und westlichen Regionen der Alpen, in der Zeit des Barocks zumeist nicht aufwändig umgestaltet wurden. Umfangreiche Recherchen im Rahmen meiner Diplomarbeit und eine präzise Fotodokumentation aller, auch der jüngst freigelegten Christophorus-Wandbilder Kärntens, erlauben fundierte Datierungsansätze, angestellt im Kontext zu Christophorus-Darstellungen in den umliegenden Alpenländern.
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